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Sehr beliebte Meuchelmörder
Es ist fast ganz dunkel, nur ein schaler bläulicher
Lichtschein erhellt die düstere Szenerie.
Regen prasselt auf den Boden, man hört dumpf
grollenden Donner, zudem von der Ferne Glockengeläut.
Da - Schritte knirschen auf dem Kiesboden, man
sieht zwei schwarze Schatten, die unweigerlich
bedrohlich wirken. Doch als sie dann ganz zu sehen
sind, beide Männer im Scheinwerferlicht stehen,
da unterhalten sie sich eigentlich nur ganz nett
über ein alltägliches, wenn auch nicht
nettes Thema: "Es ist traurig, wenn Liebe
erkaltet". Ihre Rezepte dagegen sind nicht
ganz so alltäglich, aber alle tödlich.
Eine frühere Verehrerin landete in der Donau,
eine andere fiel vom Turm, wieder andere wurden
erschossen, erdolcht, erwürgt. "Janine
nahm Strichnin statt Aspirin", tauschen die
beiden ihre Erfahrungen aus, und: "Lustig
ist die Jägerei - Lotte war im Weg dabei."
Tja, Lotte begegnet einem dann später wieder
(eine andere freilich, die obige ist ja schon
tot). Dieser Lotte kann mit Georg Kreisler noch
empfohlen werden: "Mach´s Dir bequem,
Lotte, zieh Dir die Schuhe aus." Als ihr
Gesprächspartner dann aber von seinen morbiden
Verwandten und seinem Hobby ("Ich sammle
Folterinstrumente - nicht gewusst?") erzählt,
sich genüsslich-kaltblütig Gummihandschuhe
überstreift, vermag einem schon das Blut
in den Adern zu gefrieren. Dabei fliest an diesem
Abend kein Tropfen Blut, wird niemand richtig
stranguliert. Die 160 Leichen während dieser
zwei Stunden summieren sich rein literarisch,
auf der Bühne sterben nur zwei - darunter
Mimi, weil sie nie ohne Krimi ins Bett kann und
das ihr Göttergatte irgendwann einfach nicht
mehr aushält.
Aber man braucht schon starke Nerven an diesem
Abend der literarisch-musikalischen Grausamkeiten
nach Texten von Loriot, Helmut Qualtinger oder
Frank Wedekind. Zwischendurch kann einem das Lachen
im Halse stecken bleiben - doch spannend-makabre
Szenen voller schwarzem Humor wechseln sich mit
entspannenden, höchst amüsanten Dialogen
ab, die Gratwanderung gelingt bestens, und das
nun schon zum 50. Mal. "Wenn Sie zu den glücklichen
Überlebenden gehören, wird es für
Sie ein Mords-Spaß", heißt es
in der Begrüßung doppeldeutig-lüstern.
Begonnen hatte der Mords-Spaß - damals unter
dem Titel "Jeden Mittwoch Mord" - im
Mai 1997 in besonders passender Atmosphäre:
Im vermutlich über 300 Jahre alten, gruselig-düsteren
Gewölbekeller unter Q 3,15, wo die Mannheimer
Krimibuchhandlung "Tatort" Lesungen
organisierte und dann auch das damals neue KulturNetz
Mannheim Rhein-Neckar unter anderem mit dem "Mord"-Programm
seine ersten Fäden spinnen konnte. 1998 ging
es im Theaterhaus TiG 7 weiter, im Dezember 1998
im seinerzeit neu eröffneten schmucken "Schatzkistl",
dem Musikkabarett im Steigenberger-Hotel "Mannheimer
Hof".
"Dass es so ein Dauerbrenner werden würde,
hätten wir nicht gedacht", freut sich
darüber "Schatzkistl"-Impressario
Peter Baltruschat. Er ist von Anfang an dabei,
bildete erst mit Lars Michael Storm das Mord-Duo,
seit September 2000 ist Frank Landua sein bestens
eingespielter Partner. Beide liefern eine perfekt
aufeinander abgestimmte Show.
Als Komplize am Klavier unterstütztsie
nach Joe Völker, Valery Rüb und Philipp
Moerke mittlerweile Holger Engel, der weit mehr
als den "Kriminaltango" klimpert, zwischendurch
mit einem Medley aus "Tatort"- und "Miss
Marple"-Melodien brilliert. Von Alterserscheinungen
also keine Spur: "Wir haben es uns auch immer
selbst spannend gehalten", verweist Peter
Baltruschat auf einige Programmänderungen:
"Wir probieren immer mal wieder was aus".
Das Publikum honoriert es. "Mord" sei
ein "absoluter Selbstläufer", wenngleich
manchem auch zu makaber: "Diese Art von Satire
ist nicht Jedermanns Sache", räumt Baltruschat
ein, "es gehen fast jedes Mal zwei bis vier
Leute raus". Bei allerdings 99 ausverkauften
Plätzen... Daher geht das mörderische
Duo mit seinem musikalischen Mit-Täter nun
auf Tournee in die Region, um im Herbst dann wieder
im "Schatzkistl" zuzuschlagen.
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