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Bei Auftritt Mord header

(Quelle: Sonntag Aktuell, 17. Februar 2002)

Sehr beliebte Meuchelmörder


Es ist fast ganz dunkel, nur ein schaler bläulicher Lichtschein erhellt die düstere Szenerie. Regen prasselt auf den Boden, man hört dumpf grollenden Donner, zudem von der Ferne Glockengeläut. Da - Schritte knirschen auf dem Kiesboden, man sieht zwei schwarze Schatten, die unweigerlich bedrohlich wirken. Doch als sie dann ganz zu sehen sind, beide Männer im Scheinwerferlicht stehen, da unterhalten sie sich eigentlich nur ganz nett über ein alltägliches, wenn auch nicht nettes Thema: "Es ist traurig, wenn Liebe erkaltet". Ihre Rezepte dagegen sind nicht ganz so alltäglich, aber alle tödlich. Eine frühere Verehrerin landete in der Donau, eine andere fiel vom Turm, wieder andere wurden erschossen, erdolcht, erwürgt. "Janine nahm Strichnin statt Aspirin", tauschen die beiden ihre Erfahrungen aus, und: "Lustig ist die Jägerei - Lotte war im Weg dabei."


Tja, Lotte begegnet einem dann später wieder (eine andere freilich, die obige ist ja schon tot). Dieser Lotte kann mit Georg Kreisler noch empfohlen werden: "Mach´s Dir bequem, Lotte, zieh Dir die Schuhe aus." Als ihr Gesprächspartner dann aber von seinen morbiden Verwandten und seinem Hobby ("Ich sammle Folterinstrumente - nicht gewusst?") erzählt, sich genüsslich-kaltblütig Gummihandschuhe überstreift, vermag einem schon das Blut in den Adern zu gefrieren. Dabei fliest an diesem Abend kein Tropfen Blut, wird niemand richtig stranguliert. Die 160 Leichen während dieser zwei Stunden summieren sich rein literarisch, auf der Bühne sterben nur zwei - darunter Mimi, weil sie nie ohne Krimi ins Bett kann und das ihr Göttergatte irgendwann einfach nicht mehr aushält.


Aber man braucht schon starke Nerven an diesem Abend der literarisch-musikalischen Grausamkeiten nach Texten von Loriot, Helmut Qualtinger oder Frank Wedekind. Zwischendurch kann einem das Lachen im Halse stecken bleiben - doch spannend-makabre Szenen voller schwarzem Humor wechseln sich mit entspannenden, höchst amüsanten Dialogen ab, die Gratwanderung gelingt bestens, und das nun schon zum 50. Mal. "Wenn Sie zu den glücklichen Überlebenden gehören, wird es für Sie ein Mords-Spaß", heißt es in der Begrüßung doppeldeutig-lüstern.


Begonnen hatte der Mords-Spaß - damals unter dem Titel "Jeden Mittwoch Mord" - im Mai 1997 in besonders passender Atmosphäre: Im vermutlich über 300 Jahre alten, gruselig-düsteren Gewölbekeller unter Q 3,15, wo die Mannheimer Krimibuchhandlung "Tatort" Lesungen organisierte und dann auch das damals neue KulturNetz Mannheim Rhein-Neckar unter anderem mit dem "Mord"-Programm seine ersten Fäden spinnen konnte. 1998 ging es im Theaterhaus TiG 7 weiter, im Dezember 1998 im seinerzeit neu eröffneten schmucken "Schatzkistl", dem Musikkabarett im Steigenberger-Hotel "Mannheimer Hof".


"Dass es so ein Dauerbrenner werden würde, hätten wir nicht gedacht", freut sich darüber "Schatzkistl"-Impressario Peter Baltruschat. Er ist von Anfang an dabei, bildete erst mit Lars Michael Storm das Mord-Duo, seit September 2000 ist Frank Landua sein bestens eingespielter Partner. Beide liefern eine perfekt aufeinander abgestimmte Show.

Als Komplize am Klavier unterstütztsie nach Joe Völker, Valery Rüb und Philipp Moerke mittlerweile Holger Engel, der weit mehr als den "Kriminaltango" klimpert, zwischendurch mit einem Medley aus "Tatort"- und "Miss Marple"-Melodien brilliert. Von Alterserscheinungen also keine Spur: "Wir haben es uns auch immer selbst spannend gehalten", verweist Peter Baltruschat auf einige Programmänderungen: "Wir probieren immer mal wieder was aus". Das Publikum honoriert es. "Mord" sei ein "absoluter Selbstläufer", wenngleich manchem auch zu makaber: "Diese Art von Satire ist nicht Jedermanns Sache", räumt Baltruschat ein, "es gehen fast jedes Mal zwei bis vier Leute raus". Bei allerdings 99 ausverkauften Plätzen... Daher geht das mörderische Duo mit seinem musikalischen Mit-Täter nun auf Tournee in die Region, um im Herbst dann wieder im "Schatzkistl" zuzuschlagen.



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Musik-Kabarett SCHATZKISTL
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